Werden Heilpraktiker auch heute noch gebraucht? Ja – sie leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag im deutschen Gesundheitssystem. Im Experteninterview erklärt Isolde Richter, warum die Nachfrage hoch ist, welche Rolle Heilpraktiker für Patienten spielen und worauf es bei Ausbildung und späterer Praxistätigkeit wirklich ankommt.

Wenn du darüber nachdenkst, Heilpraktiker zu werden, tauchen früher oder später grundlegende Fragen auf: Wird der Beruf in Zukunft überhaupt noch gebraucht? Welche Rolle spielen Heilpraktiker im heutigen Gesundheitssystem? Und worauf kommt es bei einer guten Ausbildung wirklich an? Gerade weil die Heilpraktiker-Ausbildung in Deutschland nicht einheitlich geregelt ist, fällt es vielen schwer, die Qualität verschiedener Angebote einzuschätzen und den richtigen Weg für sich zu finden. Gleichzeitig wächst das Interesse an ganzheitlicher Medizin, natürlicher Therapie und individueller Betreuung stetig weiter.

Um dir eine fundierte Orientierung zu geben, haben wir mit einer der erfahrensten Expertinnen im deutschsprachigen Raum gesprochen: Isolde Richter. Seit über 35 Jahren bildet sie Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie aus und hat Generationen von Therapeuten auf ihrem Weg begleitet. Im folgenden Interview teilt sie ihre Erfahrungen, ordnet aktuelle Entwicklungen ein und gibt dir wertvolle Einblicke in die Bedeutung, Ausbildung und Zukunft des Heilpraktiker-Berufs.

Über die Expertin Isolde Richter

Isolde Richter ist Heilpraktikerin, Autorin und Gründerin der Naturheilschule Isolde Richter in Kenzingen. Seit über 35 Jahren bildet sie Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie aus und gehört zu den bekanntesten Ausbilderinnen im deutschsprachigen Raum.

Als Autorin mehrerer Standardwerke zur Heilpraktiker-Ausbildung hat sie Generationen von angehenden Therapeuten auf ihrem Weg zur erfolgreichen Praxistätigkeit begleitet. Für ihre Verdienste wurde sie unter anderem mit der Clemens-von-Bönninghausen-Medaille des BDH ausgezeichnet.

Im Heilpraktiker-Ausbildung Ratgeber stellt sie die fachliche Qualität aller Inhalte sicher und sorgt dafür, dass medizinische Themen verständlich, praxisnah und auf dem aktuellen Wissensstand vermittelt werden.

Isolde Richter Portrait

Frau Richter, Sie beschäftigen sich seit ca. 35 Jahren mit der Heilpraktiker-Ausbildung. Wie hat sich der Beruf des Heilpraktikers in dieser Zeit verändert?

Vom Grundgedanken her hat sich erstaunlich wenig verändert. Heilpraktiker betrachten den Menschen damals wie heute als Einheit von Körper, Geist und Seele. Dieser ganzheitliche Ansatz ist das Fundament ihrer Arbeit.

Verändert haben sich vor allem einzelne Methoden, diagnostische Möglichkeiten und die Art, wie Wissen vermittelt wird. Geblieben ist aber das zentrale Anliegen: nicht nur Symptome zu behandeln, sondern nach den tieferliegenden Ursachen von Krankheiten und Beschwerden zu suchen.

Auch klassische naturheilkundliche Verfahren wie Ausleitungstherapien, Darmsanierung, Ernährungstherapie oder Pflanzenheilkunde spielen weiterhin eine wichtige Rolle in vielen Praxen.

Wie hat sich die Heilpraktiker-Ausbildung in dieser Zeit verändert?

Da hat sich sehr viel verändert. Als ich mit der Ausbildung begann, war oft unklar, was Prüflinge für die Überprüfung beim Gesundheitsamt tatsächlich wissen mussten. Es gab keine einheitlichen Leitlinien, die den Lernstoff klar umrissen. Dadurch lag vieles im Ermessen des jeweiligen Gesundheitsamtes. Manche Ämter legten den Schwerpunkt stark auf Gesetzeskunde, andere stellten Fragen, die fachlich außerordentlich anspruchsvoll waren. Viele Prüflinge empfanden das damals als schwer kalkulierbar.

Heute ist die Situation deutlich transparenter. Seit 1992 gibt es Leitlinien von Bund und Ländern zur Überprüfung von Heilpraktiker-Anwärtern nach § 2 des Heilpraktikergesetzes. Dadurch ist viel klarer umrissen, welche Kenntnisse erwartet werden. Das schafft Sicherheit und gibt der Ausbildung eine deutlich bessere Struktur.

Wenn Sie heute auf Ihre jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken: Was hat Sie ursprünglich motiviert, sich so intensiv für die Ausbildung von Heilpraktikern einzusetzen?

Das begann schon in meinem Elternhaus. Meine Eltern waren Anhänger der Naturheilkunde und der Kneipp-Therapie. Ich erinnere mich gut daran, dass viele Erkrankungen in unserer Familie mit Kneipp-Anwendungen, Wickeln und Auflagen behandelt wurden. Ich bin also ganz selbstverständlich mit naturheilkundlichen Verfahren aufgewachsen. Später habe ich diese Erfahrungen für mich selbst, für meine Kinder und im weiteren Familienkreis übernommen.

Die positiven Erfahrungen mit der Naturheilkunde haben mich tief geprägt. Wenn man über viele Jahre erlebt, wie hilfreich solche Anwendungen sein können, entsteht daraus eine innere Überzeugung. Diese Überzeugung war für mich ein wichtiger Antrieb, mein Wissen weiterzugeben.

Für Menschen, die sich noch nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt haben: Was macht ein Heilpraktiker eigentlich genau?

Den einen Heilpraktiker gibt es nicht. Es gibt gemeinsame Grundlagen, etwa den ganzheitlichen Blick auf den Menschen, die Suche nach tieferliegenden Ursachen und häufig auch naturheilkundliche Verfahren wie Ausleitung, Darmsanierung oder Ernährungsberatung. Aber die konkreten Methoden können sehr unterschiedlich sein.

Ein Heilpraktiker arbeitet vielleicht stark körperorientiert, zum Beispiel mit Ernährungstherapie, Pflanzenheilkunde oder manuellen Verfahren. Ein anderer legt den Schwerpunkt auf psychische und psychosomatische Zusammenhänge und arbeitet mit Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie oder systemischen Methoden. Wieder andere spezialisieren sich auf klassische Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Akupunktur, Frauenheilkunde, Darmgesundheit oder viele weitere Fachgebiete. Gerade diese Vielfalt macht den Beruf so interessant.

In der öffentlichen Diskussion taucht immer wieder die Frage auf: Werden Heilpraktiker heute überhaupt noch gebraucht? Wie sehen Sie das aus Ihrer Erfahrung heraus?

Ja, Heilpraktiker werden heute mehr denn je gebraucht. Das zeigt auch die anhaltend hohe Nachfrage in der Bevölkerung.

Viele Patienten wünschen sich mehr Zeit, mehr Zuwendung und eine Betrachtung ihrer Beschwerden im größeren Zusammenhang. Im ärztlichen Alltag ist dafür leider oft zu wenig Raum, nicht weil Ärzte das nicht möchten, sondern weil das Gesundheitssystem enge zeitliche und wirtschaftliche Grenzen setzt.

Heilpraktiker können hier eine wichtige Ergänzung sein. Sie nehmen sich Zeit, betrachten körperliche, seelische und lebensgeschichtliche Aspekte und suchen gemeinsam mit dem Patienten nach Wegen, die über eine reine Symptombehandlung hinausgehen.

Welche Rolle spielen Heilpraktiker Ihrer Meinung nach im deutschen Gesundheitssystem – und wo liegt ihr besonderer Beitrag für Patienten?

Heilpraktiker leisten einen wichtigen ergänzenden Beitrag im deutschen Gesundheitssystem. Besonders bedeutsam ist ihre Arbeit bei chronischen Erkrankungen. Aber auch bei funktionellen Beschwerden, bei denen Patienten zwar deutliche Beschwerden haben, aber schulmedizinisch keine klare organische Ursache gefunden wird.

Nehmen wir als Beispiel einen Patienten mit wiederkehrenden Magenkrämpfen. Die Magenspiegelung ergibt keinen auffälligen Befund. Der Patient hört dann vielleicht: „Organisch ist alles in Ordnung.“ Seine Beschwerden sind aber trotzdem real.

Ein Heilpraktiker schaut nun genauer hin: Wie ernährt sich der Patient? Gibt es Stress? Bestehen familiäre Konflikte? Gibt es Belastungen am Arbeitsplatz? Wie ist die Verdauung insgesamt? Welche körperlichen und seelischen Faktoren könnten zusammenspielen?

Gerade diese ausführliche Betrachtung kann für Patienten sehr wertvoll sein.

Was schätzen Patienten Ihrer Erfahrung nach besonders an der Behandlung durch Heilpraktiker?

Patienten schätzen vor allem, dass man sich Zeit für sie nimmt. Sie erleben, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden und nicht vorschnell auf ein einzelnes Symptom reduziert werden.

Wenn ein Patient mit Magenbeschwerden zum Heilpraktiker kommt, wird nicht nur der Magen betrachtet. Es wird auch gefragt: Wie lebt dieser Mensch? Was belastet ihn? Wie ernährt er sich? Wie schläft er? Welche Sorgen trägt er mit sich?

Dadurch fühlen sich viele Patienten verstanden und angenommen. Sie bekommen oft das Gefühl: „Hier schaut jemand wirklich auf mich als ganzen Menschen.“ Das allein ist noch keine Therapie, aber es ist eine wichtige Grundlage für jede erfolgreiche Behandlung.

Neben dem klassischen Heilpraktiker gibt es auch den Heilpraktiker für Psychotherapie. Welche Bedeutung hat dieser Berufsweg heute?

Der Heilpraktiker für Psychotherapie hat heute eine sehr große Bedeutung. Viele Menschen mit seelischen Belastungen müssen lange auf einen Therapieplatz warten. Wer aber gerade in einer Krise steckt, braucht oft zeitnah Unterstützung.

Heilpraktiker für Psychotherapie können hier eine wichtige erste Anlaufstelle sein. Sie begleiten Menschen bei depressiven Verstimmungen, Ängsten, Trauer, traumatischen Erfahrungen, Konflikten, Überforderung oder belastenden Lebenssituationen. Außerdem arbeiten sie häufig beratend, etwa bei Partnerschaftskonflikten, Problemen in der Familie, beruflichen Krisen oder Fragen der persönlichen Entwicklung.

Gerade in einer Zeit, in der psychische Belastungen stark zunehmen, ist dieser Berufsweg sehr wertvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Heilpraktiker und Heilpraktiker für Psychotherapie?

Der Heilpraktiker darf körperliche und seelische Erkrankungen behandeln. Er kann also sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene arbeiten.

Der Heilpraktiker für Psychotherapie ist dagegen auf den psychischen Bereich beschränkt. Er darf seelische Erkrankungen behandeln, aber keine körperlichen Erkrankungen diagnostizieren oder therapieren.

Bleiben wir beim Beispiel der Magenkrämpfe: Ein Heilpraktiker dürfte körperliche Aspekte einbeziehen, etwa Ernährung, Verdauung, naturheilkundliche Begleitmaßnahmen und seelische Belastungen.

Ein Heilpraktiker für Psychotherapie dürfte die psychischen Zusammenhänge bearbeiten, zum Beispiel familiäre Konflikte, Stress oder emotionale Belastungen. Er müsste den Patienten aber darauf hinweisen, körperliche Ursachen ärztlich oder heilpraktisch abklären zu lassen.

Wichtig ist auch: Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen keine Arzneimittel verordnen.

Worin unterscheiden sich die Tätigkeiten von Heilpraktikern und Heilpraktikern für Psychotherapie im Praxisalltag?

Im Praxisalltag zeigt sich der Unterschied sehr deutlich. Der Heilpraktiker führt körperliche Untersuchungen durch, erhebt eine Anamnese, betrachtet Laborwerte oder Befunde und arbeitet mit naturheilkundlichen oder alternativen Verfahren.

Der Heilpraktiker für Psychotherapie arbeitet dagegen vor allem mit Gesprächstherapie und anderen psychotherapeutischen Methoden, wie beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie, systemischer Therapie oder Embodiment-Therapie. Sein Schwerpunkt liegt auf der seelischen Verarbeitung, der Klärung innerer Konflikte, der Stabilisierung und der Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten.

Ein Heilpraktiker kann also körperliche und seelische Aspekte miteinander verbinden. Der Heilpraktiker für Psychotherapie konzentriert sich ausschließlich auf die psychisch bedingte Störungen.

Beide Berufswege sind wertvoll, aber sie haben unterschiedliche rechtliche Grenzen und unterschiedliche Schwerpunkte.

Die Heilpraktiker-Ausbildung ist in Deutschland nicht staatlich geregelt. Warum ist es gerade deshalb wichtig, auf die Qualität der Ausbildung zu achten?

Gerade weil die Ausbildung nicht staatlich geregelt ist, ist es wichtig auf Qualität zu achten, weil sie in die Verantwortung jedes einzelnen gelegt ist. Die Überprüfung beim Gesundheitsamt als Voraussetzung für die Erteilung der Heilpraktikererlaubnis ist sehr anspruchsvoll und verlangt ein breites medizinisches Wissen.

Wer eine Schule auswählt, sollte deshalb nicht nur fragen: „Was kostet die Ausbildung?“, sondern vor allem: „Wie gut werde ich auf die Überprüfung und auf die spätere Verantwortung in meiner Praxistätigkeit vorbereitet?“

Ebenso ist es wichtig, die verschiedenen Heilpraktiker-Ausbildungsformen sorgfältig miteinander zu vergleichen. Je nach Lebenssituation können Online-Ausbildungen, Präsenzunterricht oder hybride Modelle unterschiedliche Vorteile bieten. Gerade moderne Online-Live-Ausbildungen ermöglichen heute oft eine hohe zeitliche Flexibilität und lassen sich gut mit Beruf und Familie vereinbaren.

Eine gute Ausbildung vermittelt nicht nur Faktenwissen. Sie hilft, medizinisch zu denken, Zusammenhänge zu verstehen, Gefahren zu erkennen und die eigenen Grenzen sicher einzuschätzen.

Das ist nicht nur für die Prüfung wichtig, sondern später vor allem für die Patienten.

Woran erkennt man Ihrer Erfahrung nach eine wirklich gute Heilpraktiker-Ausbildung?

Eine gute Heilpraktikerschule stellt den gesamten Lernstoff übersichtlich und verständlich dar. Der Schüler muss zunächst wissen, was überhaupt gelernt werden muss.

Dann sollte der Stoff in gut verdauliche Lerneinheiten gegliedert sein. Große Themen wie Verdauung, Hormonsystem, Infektionskrankheiten oder Gesetzeskunde müssen so aufgebaut werden, dass man Schritt für Schritt verstehen und wiederholen kann.

Sehr hilfreich sind anschauliche Bilder, kurze Filme, Lernfragen nach jedem Abschnitt und regelmäßige Prüfungen zur Selbstkontrolle. So erkennt der Schüler frühzeitig, ob er den Stoff wirklich verstanden hat.

Wichtig sind außerdem Vorlesungen, Workshops und interaktive Übungsmöglichkeiten. Denn medizinisches Wissen muss nicht nur gelesen, sondern angewendet werden.

Ideal sind zusätzlich Wiederholungskurse, Lerngruppen und eine gute Begleitung durch Dozenten. Denn die Heilpraktiker-Ausbildung ist kein Spaziergang – eher eine anspruchsvolle Bergwanderung. Aber mit guter Ausrüstung und guter Führung kommt man sicher ans Ziel.

Welche typischen Fehler machen Interessenten bei der Auswahl ihrer Ausbildung?

Ein häufiger Fehler ist, zu sehr auf den Preis zu achten und zu wenig auf die Frage: „Was bekomme ich für mein Geld?“

Natürlich spielen die Kosten für eine Heilpraktiker-Ausbildung eine Rolle. Aber eine billige Ausbildung kann am Ende teuer werden, wenn der Lernstoff schlecht aufbereitet ist, wichtige Übungsmöglichkeiten fehlen oder die Vorbereitung auf die Überprüfung nicht ausreicht. Es besteht die Gefahr, dass der Schüler frustriert wird und die Ausbildung ganz aufgibt, weil er es nicht schafft, das gesamte Lernpensum zu bewältigen.

Ein weiterer Fehler ist, sich nur auf Videos oder Skripte zu verlassen. Einfach Videos anzuschauen reicht nicht. Man könnte sich sonst ebenso gut ein dickes Lehrbuch kaufen und hoffen, dass der Inhalt irgendwie im Kopf bleibt.

Gute Ausbildung bedeutet: erklärende und vertiefende Vorlesungen, Übungsmöglichkeiten in Workshops in denen man verstehen, wiederholen, üben, anwenden, fragen stellen kann und Rückmeldung über den eigenen Lernstand bekommen und die Möglichkeit Lerngruppen zu bilden. Genau das macht den Unterschied.

Viele angehende Heilpraktiker haben großen Respekt vor der amtsärztlichen Überprüfung beim Gesundheitsamt. Wie anspruchsvoll ist diese Prüfung wirklich – und worauf kommt es bei der Vorbereitung besonders an?

Die Überprüfung ist tatsächlich anspruchsvoll. Und das ist auch richtig so. Schließlich soll sichergestellt werden, dass Heilpraktiker verantwortungsvoll arbeiten und ihre Grenzen kennen.

Wichtig ist zunächst, den gesamten prüfungsrelevanten Lernstoff gründlich zu erarbeiten. Dazu gehören Anatomie, Physiologie, Pathologie, Infektionskrankheiten, Notfälle, Gesetzeskunde, Diagnostik und vieles mehr.

Ganz entscheidend ist aber auch das differenzialdiagnostische Denken. Wenn ein Patient zum Beispiel über anhaltende Müdigkeit klagt, muss man viele mögliche Ursachen im Blick haben: Leukämie, Schlafmangel, Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Infektionen, Anämie, Long Covid, Stress, Tumorerkrankungen und vieles mehr.

Es reicht also nicht, einzelne Krankheiten auswendig zu kennen. Man muss lernen, medizinisch zu denken.

Sie haben viele Menschen auf dem Weg in die eigene Praxis begleitet. Welche Faktoren entscheiden aus Ihrer Sicht darüber, ob Heilpraktiker später erfolgreich arbeiten können?

Der erste wichtige Faktor ist eine solide Ausbildung. Nur wer fachlich wirklich sicher ist, wird langfristig bestehen.

Aber medizinisches Wissen allein genügt nicht. Ein Heilpraktiker braucht auch ein klares Praxiskonzept. Dazu gehören viele ganz praktische Fragen: Wie läuft das erste Telefonat ab? Welche Informationen werden vorab erfragt? Wie werden Termine organisiert? Welche Honorare werden berechnet? Wie wird die Patientenkartei geführt? Wie werden Rechnungen erstellt? Wie funktioniert die Buchhaltung?

Viele angehende Heilpraktiker unterschätzen diesen Teil. Eine gute Schule sollte deshalb nicht nur auf die Überprüfung vorbereiten, sondern auch Hilfen für den späteren Praxisaufbau anbieten.

Denn eine erfolgreiche Praxis entsteht nicht zufällig. Sie braucht Fachwissen, Herz, Struktur und ein bisschen unternehmerischen Mut.

Wie sehen Sie die Zukunft des Heilpraktiker-Berufs in Deutschland?

Ich sehe die Zukunft des Heilpraktiker-Berufs sehr positiv. Heilpraktiker werden gebraucht, und die Nachfrage ist seit vielen Jahren hoch.

Früher gab es immer wieder Diskussionen darüber, ob der Heilpraktiker-Beruf abgeschafft werden sollte. Diese Diskussionen wurden häufig von Kreisen angestoßen, die der Naturheilkunde kritisch gegenüberstanden.

In der Bevölkerung ist der Wunsch nach naturheilkundlicher und ganzheitlicher Behandlung aber deutlich vorhanden. Viele Menschen möchten weiterhin die Möglichkeit haben, einen Heilpraktiker aufzusuchen. Ich glaube deshalb, dass der Beruf auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird – besonders dort, wo Menschen eine individuelle, ganzheitliche und zeitintensive Begleitung suchen.

Beobachten Sie in Ihrer Ausbildung eine wachsende Nachfrage nach ganzheitlicher Medizin und naturheilkundlichen Ansätzen?

Ja, das ist deutlich zu beobachten. Viele Menschen interessieren sich heute bewusster für Gesundheit, Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und natürliche Heilverfahren. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass viele Patienten spüren: Es reicht nicht, nur ein Symptom zu unterdrücken. Sie möchten verstehen, warum eine Beschwerde entstanden ist und was sie selbst zu ihrer Gesundheit beitragen können.

Auch Themen wie Darmgesundheit, gesunde Ernährung, seelische Balance, Wohnraumgestaltung und Prävention gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Diese Entwicklung zeigt: Das Interesse an ganzheitlicher Medizin wächst – und damit auch der Bedarf an gut ausgebildeten Heilpraktikern.

Heute informieren sich viele Menschen über Gesundheitsthemen über KI-Systeme oder Online-Plattformen. Können solche Technologien die persönliche Beratung durch Heilpraktiker ersetzen?

Nein, ersetzen können sie die persönliche Beratung nicht. Sie können aber eine hilfreiche Ergänzung sein.

Ich sehe es grundsätzlich positiv, wenn Menschen sich Gedanken über ihre Gesundheit machen und sich informieren. Viele Patienten kommen heute besser vorbereitet in die Praxis. Manchmal sind sie richtig informiert, manchmal aber auch verunsichert oder durch widersprüchliche Informationen belastet.

Das Problem ist: Um medizinische Informationen richtig einzuordnen, braucht man Fachwissen. Man muss erkennen können, ob eine Beschwerde harmlos ist oder ob sie dringend abgeklärt werden muss.

Genau hier bleibt der Heilpraktiker wichtig. Er untersucht, erhebt eine Anamnese, stellt Zusammenhänge her, erklärt dem Patienten die Befunde und entwickelt gemeinsam mit ihm einen sinnvollen Behandlungsweg.

Technik kann informieren. Aber sie kann nicht zuhören, fühlen, untersuchen, einordnen und menschlich begleiten wie ein erfahrener Therapeut.

Wenn Sie in einem Satz zusammenfassen müssten: Warum ist der Beruf des Heilpraktikers auch heute noch relevant – was würden Sie sagen?

Der Heilpraktiker ist auch heute relevant, weil er den Menschen ganzheitlich betrachtet, sich Zeit nimmt, nach den tieferliegenden Ursachen von Beschwerden sucht und Patienten dabei unterstützt, körperlich, seelisch und geistig wieder in ihr Gleichgewicht zu finden.

Vielen Dank für dieses Interview, Frau Richter.

Die wichtigsten Aussagen aus dem Interview mit Isolde Richter

  • Heilpraktiker werden weiterhin gebraucht
  • Ganzheitliche Medizin gewinnt an Bedeutung
  • Eine hochwertige Ausbildung ist entscheidend
  • Heilpraktiker für Psychotherapie werden immer wichtiger
  • KI kann informieren, aber keine persönliche Begleitung ersetzen